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Die Psychologie des Fluges: Was Dädalos und Ikarus uns über die richtigen Zielen lehren

Die Geschichten der Antike sind nicht nur alte Legenden, sondern auch Quellen zeitloser Weisheit. In dieser Erzählung von Dädalos und Ikarus finden wir nicht nur Mythen aus der griechischen Mythologie, sondern auch lebenswichtige Lehren für unsere eigenen Reisen.


Ikarus stürzt ins Wasser, wenn er zu nah an der Sonne fliegt.

Dädalos, ein begabter Erfinder und Handwerker, war auf der Insel Kreta gefangen. Um zu fliehen, entwickelte er Flügel aus Federn und Wachs für sich selbst und seinen Sohn Ikarus. Vor dem Flug warnte Dädalos Ikarus davor, zu hoch oder zu niedrig zu fliegen, um gefährliche Konsequenzen zu vermeiden.


Ikarus jedoch wurde von der Erfahrung des Fliegens überwältigt und flog zu nahe an die Sonne. Das Wachs seiner Flügel schmolz, und er stürzte ins Meer und ertrank. Die Geschichte dient oft als Warnung vor Übermut und Ungehorsam gegenüber weisen Ratschlägen.


In meiner täglichen Arbeit in der Praxis begegne ich einer Vielzahl von Menschen – meinen geschätzten Patient:innen. In ihren Geschichten und Herausforderungen finde ich oft Parallelen zu den Figuren in antiken Mythen. Diese Parallelen bieten wertvolle Einsichten für unseren körperpsychotherapeutischen Prozess.



Die Weisheit eines Vaters und die Psychologie des Fluges


Dädalos' Ratschlag an Ikarus, nicht zu tief zu fliegen, öffnet ein Fenster zu den verborgenen Tiefen der menschlichen Psyche. In der körperpsychotherapeutischen Arbeit erkennen wir oft, dass es nicht nur darum geht, die Höhen des Lebens zu erkunden, sondern auch die Tiefen und Grenzen zu verstehen. Das Fliegen zu niedrig kann symbolisieren, dass wir uns vor unserer eigenen Glück und Erfolg und den verbundenen  Herausforderungen, die sie birgt, fürchten.



Die Flugbahn des Selbst und die richtigen Ziele


Manchmal neigen wir dazu, uns vor unseren eigenen Emotionen, Ängsten und Ambitionen  unterzudrücken, indem wir uns in die Höhen des Lebens flüchten. Die körperpsychotherapeutische Praxis lehrt uns, dass es wichtig ist, nicht nur hoch hinaufzufliegen, sondern auch die richtigen und angemessenen Ziele zu haben (Grounding). Die Frage ist nicht nur, wie hoch wir fliegen, sondern auch, wohin unser Flug uns führ und vor allem warum.



Väterliche Fürsorge und Selbstakzeptanz


Die Beziehung zwischen Dädalos und Ikarus zeigt uns auch die Bedeutung der Selbstakzeptanz und der liebevollen Fürsorge unserer „innere Vater“ für unser inneres Selbst. In der körperpsychotherapeutischen Arbeit sind wir oft die Begleiter:innen auf dem Weg zur Selbstliebe, die eigene Bedürfnisse zu erfüllen und Selbstakzeptanz, den wahren emotionalen und körperlichen Selbst zu kennen. Wir ermutigen unsere Klient:innen, die verschiedenen Ebenen ihrer Psyche und Soma zu akzeptieren und zu erkunden, ohne sich vor der Tiefe ihres inneren Ozeans zu fürchten.



Lehren aus der Geschichte für die Psyche


Ikarus' tragisches Ende erinnert uns daran, dass das Vermeiden unserer inneren Tiefen und Ängste psychologische Konsequenzen haben kann und wenn das passiert identifizieren wir uns mit einem falschen ich. Die Körperpsychotherapie besteht darin, den Mut zu finden, die psychischen Abgründe zu erkunden und sie als Teil unseres Selbst zu integrieren. Nur durch diese Integration können wir wahre psychologische Ganzheit erreichen  und in der „richtige höhe“ fliegen.



Die Gefahren des Überflugs: Eine Metapher für den Verlust des Körperlichen Selbst und das Bedürfnis nach Grounding


Die Suche nach Genuss statt Sinn ist eine Konsequenz von dieser Identifikation mit dieser narzisstischer Anteil (der falschen Ich). Daher können Menschen, die von den schnellen Belohnungen und Verlockungen des Lebens überwältigt werden, zu weit in Richtung eines übermäßigen Hedonismus fliegen, der sie von ihrer wahren Bedürfnisse entfernt. Diese Reise kann dazu führen, dass sie ihre körperliche Gesundheit und emotionale Integrität vernachlässigen, und zu einer Spaltung, eine Dissoziation, die uns nicht spüren lässt das schmelzende Wachs der Flügel. Wenn wir uns zu weit von der inneren Realität entfernen, können sie sich schließlich verlieren, wie Ikarus im weiten Ozean, ohne das feste Ufer des "Grounding" zu erreichen. Es ist wichtig, ein Gleichgewicht zwischen den Flügen der idealistischer Freiheit und der Rückkehr zur körperlichen Begrenztheit zu finden, um nicht im Meer der Entfremdung zu ertrinken.



Fazit: Die Psychologie des Fluges und die Bedeutung von Zielen


Die Geschichte von Dädalos und Ikarus ist mehr als nur ein Mythos – sie ist eine Quelle der Inspiration und Weisheit, die in unserer körperpsychotherapeutischen Arbeit einen tiefen Sinn hat. Sie erinnert uns daran, dass es in der Psyche sowohl Höhen als auch Tiefen gibt und dass wir beide erkunden müssen, um ein erfülltes Leben zu führen. Die Arbeit der Selbstakzeptanz, die Akzeptanz unserer Minderwertigkeit und ihrer grandioser Ausgleich und der Festlegung der richtigen Ziele und Grenze (nach oben und nach unten) ist entscheidend für unsere psychische Gesundheit und unser Glücklichsein. In der Psychologie des Fluges finden wir wertvolle Lehren über die Bedeutung von Zielen und die Kunst, unsere psychologische Reise in die richtige Richtung zu lenken und die Ängste zu überwinden.

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