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Spiral Dynamics für Einsteiger: Ein Blick auf deine kognitive Entwicklung


Illustration der Spiral Dynamics: Eine farbige Spirale mit stilisierten Figuren, die verschiedene Entwicklungsstufen menschlichen Bewusstseins symbolisieren – von instinktiv (Beige) bis holistisch (Türkis).
© Illustration bei Brandy Agerbeck, Loosetooth.com

Die Spirale der kognitiven Entwicklung beschreibt die fortschreitenden Ebenen des Denkens, Fühlens und Handelns, die sowohl Individuen als auch Gesellschaften durchlaufen.


Dieses Konzept basiert auf der Spiraldynamik (entwickelt aus den Arbeiten von Clare W. Graves, Don Beck und Christopher Cowan) sowie auf der Integralen Theorie von Ken Wilber. Beide Modelle bieten eine Landkarte der Entwicklung und zeigen, wie Menschen und Kulturen im Laufe der Zeit komplexere und umfassendere Weltansichten entwickeln.


Die Spiral Dynamics besteht aus verschiedenen Wertesystemen oder Bewusstseinsstufen, die in einer bestimmten Reihenfolge auftreten. Diese sind flexibel: Einzelne Menschen, Gruppen oder ganze Gesellschaften können zwischen den Stufen wechseln, abhängig von individuellen Erfahrungen, Lebenssituationen, historischen Ereignissen und kulturellen Einflüssen.



Die Stufen der kognitiven Entwicklung & ihre Archetypen

BEIGE: Impulsiv-Instinktiv

  • Alter: Frühkindheit (Neugeborene und sehr junge Kinder) oder Erwachsene in Extremsituationen (z. B. Überlebenskrisen). 


  • Beschreibung: Diese Stufe ist geprägt von basalen Überlebensbedürfnissen wie Nahrung, Schutz und Sicherheit. Instinktives Handeln steht im Vordergrund. 


  • Historische Beispiele: Früheste menschliche Gemeinschaften; das Überleben in Wildnis oder Kriegszeiten. 


  • Moderne Entsprechungen: Menschen in extremen Lebenslagen wie Obdachlosigkeit oder Naturkatastrophen. 


  • Archetyp: Das innere Tier 

    • Beschreibung: Dieser Archetyp repräsentiert unsere tiefsten Überlebensinstinkte und Triebe. Er steht für Schutz, Nahrungssuche und das Streben nach Sicherheit. 


    • Fokus in der Therapie: Verbindung zu den basalen Bedürfnissen, Linderung von existenziellen Ängsten, Stärkung des Gefühls von Sicherheit. 

PURPUR: Magisch-tribal

  • Alter: Kindheit (3-6 Jahre, fantasieorientiert). 


  • Beschreibung: Gemeinschaft und Traditionen stehen im Mittelpunkt. Magisches Denken verbindet Menschen mit einer größeren Ordnung (z. B. Naturgeister, Ahnen).

     

  • Historische Beispiele: Stammesgesellschaften, indigene Kulturen. 


  • Moderne Entsprechungen: Gemeinschaften mit starkem Fokus auf Rituale und familiären Zusammenhalt. 


  • Archetyp: Das innere Kind 

    • Beschreibung: Dieser Archetyp verkörpert die kindliche Verbindung zu Magie, Ritualen und Gemeinschaft. Er repräsentiert unsere Sehnsucht nach Geborgenheit und Zugehörigkeit. 


    • Fokus in der Therapie: Heilung von Bindungstraumata, Arbeit mit Ritualen und familiären Mustern, Förderung von Vertrauen. 

ROT: Egozentrisch-machtorientiert

  • Alter: Jugendliche (etwa 7-12 Jahre, wenn Macht und Unabhängigkeit wichtig werden). 


  • Beschreibung: Diese Stufe betont Macht, Stärke und impulsives Handeln. Individuen oder Gruppen setzen sich ohne Rücksicht auf andere durch.

     

  • Historische Beispiele: Feudale Systeme, Warlord-Kulturen. 


  • Moderne Entsprechungen: Gangkulturen, autoritäre Führungsstile.

     

  • Archetypen: Der/die Krieger*in und Die Heiler*in 

    • Beschreibung

      • Krieger*in: Repräsentiert Durchsetzungsvermögen, Stärke und Kampfgeist. 

      • Heiler*in: Verkörpert die Fähigkeit, Wunden zu erkennen, Mitgefühl zu entwickeln und Heilung zu bringen. 


    • Fokus in der Therapie: Integration von Wut und Aggression in konstruktive Kräfte, Stärkung von persönlicher Macht und Selbstheilung. 

BLAU: Moralistisch-traditionell

  • Alter: Jugendliche bis junge Erwachsene (typisch in der Schulzeit oder frühen Arbeitsjahren). 


  • Beschreibung: Werte wie Ordnung, Disziplin und das Befolgen von Regeln stehen im Vordergrund. Ein höheres Prinzip (Gott, Staat, Moral) wird als Leitlinie anerkannt. 


  • Historische Beispiele: Mittelalterliche Gesellschaften, religiös-fundamentale Bewegungen. 


  • Moderne Entsprechungen: Bürokratien, traditionelle religiöse Organisationen.

     

  • Archetypen: Der/die König*in und Der/die Hüter*in 

    • Beschreibung

      • König*in: Verkörpert Ordnung, Disziplin und Führung im Dienst eines höheren Prinzips. 

      • Hüter*in: Schützt Traditionen, Werte und die Gemeinschaft. 


    • Fokus in der Therapie: Arbeit mit starren Glaubenssätzen, Förderung von Flexibilität und Selbstverantwortung. 

ORANGE: Materialistisch-individualistisch

  • Alter: Erwachsene in der Phase der Selbstverwirklichung (ab 20-30 Jahren).

     

  • Beschreibung: Rationalität, Wissenschaft, Technologie und persönlicher Erfolg prägen diese Stufe. Wettbewerb und Fortschritt stehen im Zentrum. 


  • Historische Beispiele: Die Aufklärung, Industrialisierung. 


  • Moderne Entsprechungen: Unternehmenskulturen, technologische Innovationen.

     

  • Archetypen: Der/die Athlet*in und Der/die Schöpfer*in 

    • Beschreibung

      • Athlet*in: Steht für Leistung, Fortschritt und die Disziplin, Ziele zu erreichen. 

      • Schöpfer*in: Verkörpert Innovation, Kreativität und den Drang, Neues zu erschaffen. 


    • Fokus in der Therapie: Umgang mit Leistungsdruck und Perfektionismus, Förderung von Balance zwischen Erfolg und persönlicher Erfüllung. 

GRÜN: Humanistisch-egalitär

  • Alter: Erwachsene mit wachsendem Fokus auf soziale Gerechtigkeit (typisch ab dem mittleren Lebensalter). 


  • Beschreibung: Empathie, Akzeptanz von Vielfalt und sozialer Gleichheit stehen im Mittelpunkt. Die Gemeinschaft wird höher gewichtet als das Individuum. 


  • Historische Beispiele: Hippie-Bewegung, NGOs. 


  • Moderne Entsprechungen: Nachhaltigkeitsbewegungen, multikulturelle Organisationen. 


  • Archetypen: Der/die Narr*in und Der/die Magier*in 

    • Beschreibung

      • Narr*in: Bringt Leichtigkeit, Humor und die Fähigkeit, über gesellschaftliche Konventionen hinauszudenken. 

      • Magier*in: Symbolisiert Empathie, Intuition und die Fähigkeit, Harmonie zu schaffen. 


    • Fokus in der Therapie: Integration von Vielfalt und sozialen Werten, Förderung von Kreativität und intuitivem Wissen.

GELB: Systemisch-integrativ

  • Alter: Meist später im Leben, nach intensiven Erfahrungen und Reflexion (Selbst- und Weltintegration). 


  • Beschreibung: Diese Stufe sieht die Welt als ein komplexes System von Wechselwirkungen und integriert verschiedene Perspektiven. 


  • Historische Beispiele: Beginn der Systemtheorie in Wissenschaften. 


  • Moderne Entsprechungen: Führungskräfte mit Fokus auf ganzheitlichem Management. 


  • Archetypen: Die/der alte Weise und Mutter Erde 

    • Beschreibung

      • Der/die Weise: Verkörpert Weisheit, Weitsicht und die Fähigkeit, komplexe Systeme zu durchschauen. 

      • Mutter Erde: Repräsentiert die tiefe Verbundenheit mit natürlichen Kreisläufen. 


    • Fokus in der Therapie: Förderung von Ganzheitlichkeit, Verständnis für systemische Zusammenhänge, Integration von Weisheit. 

TÜRKIS: Holistisch-kollektiv

  • Alter: Sehr selten, meist bei visionären Denkenden oder spirituell Erleuchteten.

     

  • Beschreibung: Globale Verbundenheit, kollektives Bewusstsein und universelle Harmonie stehen im Zentrum. 


  • Historische Beispiele: Spirituelle Bewegungen mit holistischem Ansatz. 


  • Moderne Entsprechungen: Ökologische Bewegungen mit globalem Fokus.

     

  • Archetypen: Shiva und Shakti 

    • Beschreibung

      • Shiva: Verkörpert die transformative Energie der Zerstörung und Erneuerung. 

      • Shakti: Symbolisiert die kreative Lebenskraft und universelle Harmonie.

         

    • Fokus in der Therapie: Verbindung mit universellem Bewusstsein, Arbeit mit spirituellen Aspekten, Förderung von globaler Verbundenheit. 



Reflexion und Integration in der Therapie oder Coaching


Die Arbeit mit diesen Stufen und Archetypen ermöglicht es, individuelle Entwicklungsmuster zu erkennen und gezielt zu fördern. Sie bietet eine Orientierungshilfe, um Herausforderungen zu überwinden, Blockaden zu lösen und das Bewusstsein auf die nächste Ebene zu erweitern.


Indem du dich fragst, welche Werte und Überzeugungen aktuell dein Leben prägen und welche Potenziale du weiterentwickeln könntest, öffnest du die Tür zu persönlichem Wachstum und einer tieferen Verbindung mit dir selbst und deiner Umwelt.

Durch diese Erkenntnis kannst du dein Leben mit mehr Klarheit, Sinn und innerer Ausrichtung gestalten und gleichzeitig dein Potenzial auf eine Weise nutzen, die dir und deinem Umfeld dient.




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