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CBD in der psychologischen und psychosomatischen Therapie

Braune Glasflasche mit Pipette, daneben ein Hanfblatt, auf einem hellen Tisch mit grünem, unscharfem Hintergrund. Symbolbild für CBD-Therapie in einem natürlichen Setting.

Disclaimer


Das Thema CBD ist heute stark von Markttrends und wirtschaftlichen Interessen geprägt. Viele der verfügbaren Studien werden von Unternehmen aus der Branche finanziert und sind daher nicht immer unabhängig. Es ist wichtig, jede Aussage über seine Wirkung kritisch zu hinterfragen.

CBD wird häufig als „natürlich“ oder „sicher“ dargestellt, doch das bedeutet nicht, dass es frei von Risiken oder für alle geeignet ist. Wer eine Einnahme erwägt – insbesondere Personen, die bereits medizinische oder psychiatrische Behandlungen durchführen – sollten zuvor ihre behandelnde Ärzt:in konsultieren.

Die Informationen in diesem Artikel dienen der Aufklärung und ersetzen keine medizinische oder psychotherapeutische Beratung.

 

Bodymind-Voraussetzung: zuerst Arbeit an Körper und Geist, dann Nahrungsergänzung


Im Rahmen einer psychokorporalen Entwicklung kann CBD nur nach einem erfolgreich abgeschlossenen Zyklus des Bodymind-psychosomatischen Coachings sinnvoll sein.

Bevor man zu Substanzen oder Nahrungsergänzungsmitteln greift, ist es entscheidend, die körperlichen und praktischen Ursachen der eigenen Dysregulation zu erforschen – also jener Zustände von Anspannung, Stress oder Überaktivierung des Nervensystems.

Diese Basisarbeit umfasst Atmung, Schlaf, Ernährung, Bewegung, energetische Grenzen, zirkadianen Rhythmus und Haltung.


Das Bodymind-psychosomatische Coaching hilft, herauszufinden, welche Vagus-Aktivierungstechniken (also Methoden zur Stimulation des Vagusnervs, der für Ruhe und Verdauung zuständig ist) am besten wirken.

Es gibt keine universelle Formel: Was einen Körper beruhigt, funktioniert bei einem anderen vielleicht nicht. Jedes Nervensystem hat eine eigene Sensibilität und Geschichte. Deshalb braucht dieser Prozess Zeit, Achtsamkeit und Geduld. Manche finden Gleichgewicht über tiefes Atmen oder körperzentrierte Meditation, andere über fließende Bewegung oder bewussten Körperkontakt.

Wir sind über acht Milliarden Menschen auf diesem Planeten, jede:r mit einer einzigartigen Physiologie und emotionalen Biografie – der Weg zur Selbstregulation ist immer individuell.


Erst wenn diese Basis gefestigt ist, kann der Einsatz von Mitteln wie CBD als sekundäres Unterstützungsinstrument sinnvoll sein – zur Erleichterung der Regulation oder zur Vertiefung bereits verinnerlichter Praktiken.

 

Wann es hilfreich sein kann


CBD kann die therapeutische Arbeit unterstützen, wenn es schwerfällt, sich zu beruhigen, obwohl bereits emotionale und kognitive Bewusstheit vorhanden ist. Es kann eine zeitweise Hilfe für Menschen sein, die sich in einem Zustand dauerhafter Überaktivierung des Nervensystems befinden, in dem der Körper in Alarmbereitschaft bleibt, selbst wenn keine reale Gefahr mehr besteht.


Studien zeigen positive Effekte bei Angststörungen, posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) und psychosomatischen chronischen Schmerzen¹. In diesen Fällen scheint CBD auf das Nervensystem zu wirken, indem es die Aktivität der Amygdala (jenes Gehirnareal, das Angst reguliert) moduliert und das parasympathische System stärkt, das für Entspannung und Regeneration zuständig ist.


Bei Zwangsstörungen (OCD) sind die wissenschaftlichen Belege noch begrenzt, doch erste Untersuchungen deuten auf einen indirekten Einfluss auf emotionale Regulation und Impulskontrolle hin².

 

Praktische Anwendung in der integrierten Therapie


Der Bodymind-Ansatz zielt nicht auf Verschreibung, sondern auf Integration. CBD kann nur sinnvoll sein, wenn es in ein bestehendes therapeutisches oder Coaching-Setting eingebettet ist.

Der ideale Prozess umfasst vier Phasen:


  1. Erstbewertung – Verständnis des allgemeinen Zustands, anderer Medikamente und des Niveaus körperlicher Dysregulation oder Stress.


  2. Bewusste Aufklärung – Verdeutlichung, dass CBD kein anerkanntes Medikament gegen Angst oder Depression ist, sondern eine mögliche Unterstützung zur Beruhigung des Nervensystems.


  3. Kohärenz mit dem BodyMind-Weg – CBD ersetzt keine Körper- oder Psychotherapie, kann sie aber vertiefen, indem es Entspannung und Konzentration fördert.


  4. Kontinuierliches Monitoring – Beobachtung und Dokumentation von Veränderungen in Schlaf, Stimmung, Schmerzempfinden und Vitalität alle 4–6 Wochen.

Während dieses Zeitraums ist es hilfreich, weiterhin die im Coaching erlernten Vagus-Selbstregulationstechniken zu üben – etwa langsames Atmen, fließendes Dehnen, Tönen, bewussten Körperkontakt oder Ruhephasen.

CBD kann als Unterstützung dieser Praktiken dienen, aber sie nicht ersetzen: Seine tiefere Wirkung zeigt sich vor allem, wenn der Körper bereits gelernt hat, Ruhe als sicheren Zustand zu erkennen.

 

Mengen und Dosierungsrichtwerte


Klinische Studien zeigen angstlösende Effekte bei täglichen Dosen von 25–50 mg CBD³. Bei Schlafstörungen verbesserten abendliche Dosen zwischen 25 und 150 mg die subjektive Schlafqualität⁴.

Bei chronischen oder psychosomatischen Schmerzen liegen die Spannweiten zwischen 50 und 200 mg, doch höhere Dosen bringen nicht immer mehr Nutzen: Die Regulation des Nervensystems ist ein Gleichgewicht, keine Frage der Menge.

Bei einem 5 %-Öl (500 mg in 10 ml) enthält ein Tropfen etwa 2,5 mg CBD; 10 Tropfen entsprechen etwa 25 mg. Empfohlen wird, mit niedriger Dosis zu beginnen und langsam zu steigern, während man die Reaktion des Körpers beobachtet. Jede:r reagiert anders – deshalb sind Achtsamkeit, Langsamkeit und gegebenenfalls therapeutische Begleitung wichtig.

 

Für welche funktionellen Zustände


Die überzeugendsten Hinweise betreffen:


  • Angststörungen (generalisierte, soziale, posttraumatische)

  • Stressbedingte Schlafstörungen und nächtliche Aufwachphasen

  • Chronische muskuläre Spannungsschmerzen und Fibromyalgie

  • Psychosomatische Beschwerden wie Reizdarm, Spannungskopfschmerz, Nacken- oder Rückenschmerzen.


Noch fehlen solide Belege für Depression, Essstörungen, Schizophrenie oder Zwangsstörung.

 

Wichtige Aspekte in der Praxis


Die Produktqualität ist entscheidend. Das Öl sollte durch ein Laborzertifikat (COA) bestätigt sein und den angegebenen CBD-Gehalt enthalten, mit einem THC-Anteil unter 0,2 %. Auch auf Wechselwirkungen mit Medikamenten ist zu achten: CBD kann die Blutspiegel von Antidepressiva, Anxiolytika oder Antiepileptika verändern.


Die Wirkung ist am besten, wenn der Körper bereits in einem Zustand von Ruhe ist oder nach vagalen Übungen (z. B. tiefes Atmen, Selbstmassage). Ist der Körper noch in Alarm, kann die Wirkung schwächer ausfallen.


Im Bodymind-Setting kann CBD als Integrator dienen – z. B. nach einer myofaszialen Release-Session, Atemarbeit oder somatischer Meditation – um die parasympathische Antwort zu stabilisieren und das Sicherheitsgefühl zu stärken.

 

Was die Wissenschaft noch nicht weiß


Die Forschung ist vielversprechend, doch es bleiben offene Fragen:


  • Wie hoch ist die minimale wirksame Dosis bei Langzeitanwendung?

  • Entwickelt sich Toleranz oder Abhängigkeit bei längerem Gebrauch?

  • Wie interagiert CBD mit psychokorporalen Therapien und emotionalen Erinnerungsprozessen?

  • Bei psychosomatischen Schmerzen – wirkt es eher auf das Nervensystem oder auf das emotionale Schmerzempfinden?


Fast alle Studien dauern weniger als drei Monate und basieren auf kleinen Proband:innengruppen, weshalb die Ergebnisse als vorläufig gelten sollten.

 

Bodymind-Schlussfolgerung


CBD ist keine Abkürzung, kann aber ein Co-Regulationsverbündeter sein für Menschen, die bereits gelernt haben, ihren Körper wahrzunehmen. Es heilt nicht von selbst das Leiden, doch es kann dem Nervensystem helfen, sich zu beruhigen, und dadurch Raum für psychologische und relationale Transformation öffnen.

Im Bodymind-Sprachgebrauch bedeutet das, das Hintergrundrauschen des Körpers zu senken, damit Geist und Herz klarer miteinander kommunizieren können.

 



Wissenschaftliche Quellen


1.   Crippa JAS et al., Front Pharmacol. 2018; 9:148.

2.   Kayser RR et al., J Cannabis Res. 2020; 2(1):4.

3.   Linares IM et al., Braz J Psychiatry 2019; 41(1):9–14.

4.   Suraev AS et al., J Clin Sleep Med. 2023; 19(6):1111–1120.

5.   Häuser W et al., Pain 2022; 163(7):e708–e716.

6.   Devinsky O et al., N Engl J Med 2017; 376:2011–2020.

7.   Stout SM & Cimino NM, Ann Pharmacother. 2014; 48(4):515–528.

8.   Bonn-Miller MO et al., JAMA 2017; 318(17):1708–1709.

 

Begriffserklärungen


Vagus- oder parasympathisches System: Hauptnerv des parasympathischen Systems, verantwortlich für Entspannung, Verdauung und Herzrhythmus. Seine natürliche Aktivierung (Atmung, Gesang, Berührung, Bewegung) unterstützt Stressabbau.

Überaktivierung: Dauerzustand erhöhter Wachsamkeit, in dem das Nervensystem „auf der Hut“ bleibt, auch ohne reale Gefahr.

Parasympathikus: Teil des vegetativen Nervensystems, der Ruhe, Heilung und Verdauung fördert.

Amygdala: Gehirnstruktur, die intensive Emotionen wie Angst und Wut verarbeitet.

Dysregulation: Vorübergehende Unfähigkeit des Nervensystems, Aktivierung und Entspannung auszugleichen.

COA (Certificate of Analysis): Laborzertifikat, das die Zusammensetzung eines Produkts bestätigt.

Phytocannabinoide: Natürliche Substanzen der Cannabispflanze, die mit dem menschlichen Endocannabinoid-System interagieren.


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