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Die therapeutische Kunst, Energie zu regulieren und den Vagusnerv zu aktivieren

vor 6 Tagen
3 Min. Lesezeit
Illustration zur Aktivierung des Vagusnervs mit Atmung, Körperwahrnehmung und Energieregulation

Ein Beitrag aus Sicht der Bodymind Therapy


In der Bodymind Therapy beschreibt die psychosomatische Fähigkeit Management of Energy nicht nur den Umgang mit Stress, sondern den bewussten Zugang zur eigenen inneren Energie: Sie wahrzunehmen, zu halten, zu modulieren und schließlich in stimmiger Weise zum Ausdruck zu bringen – im Körper, in der Stimme, in Begegnung.


Grundlage dafür ist eine fein abgestimmte Regulation des autonomen Nervensystems. Besonders der Vagusnerv spielt dabei eine entscheidende Rolle.


Wie sich die Fähigkeit zur Energieregulation entwickelt


Diese Fähigkeit beginnt laut der Forschung des Bodynamic Institute früh im Leben, insbesondere in den eriksonianischen Entwicklungsphasen, in denen Autonomie und Wille ausgebildet werden.


Kinder lernen in dieser Zeit, Impulse zu spüren, zwischen innerem Drang und äußerer Anforderung zu vermitteln und ihr Erregungsniveau zu steuern.


Die Qualität der Beziehung zu den primären Bezugspersonen prägt dabei, ob Regulation gelingt – ob das System lernt, in Kontakt zu bleiben, auch wenn es innerlich „viel“ wird.


Die Rolle des Vagusnervs


Der Vagusnerv – als Teil des parasympathischen Nervensystems – ist ein zentraler Akteur in dieser Regulation. Er unterstützt den Übergang von Aktivierung in Ruhe, ermöglicht Verdauung, Erholung und Verlangsamung.


Besonders der ventrale Anteil des Vagus, auf den die Polyvagal-Theorie fokussiert, ist eng mit sozialer Sicherheit, Herz-Kohärenz und emotionaler Offenheit verbunden. Ist dieser Teil aktiviert, wirkt sich das spürbar auf unsere Präsenz und unser Beziehungsverhalten aus.


Trauma, chronischer Stress und das Nervensystem


In traumatisch geprägten Systemen – sei es durch Entwicklungstrauma, Schock oder chronischen Stress – verliert das autonome Nervensystem häufig seine Flexibilität.

Viele Menschen leben dann in einem Zustand innerer Daueranspannung oder wechseln in regelmäßigen Rückzug und Erschöpfung.


Die Fähigkeit, Energie zu halten und gezielt einzusetzen, ist dabei stark eingeschränkt. Körper und Psyche reagieren mit Symptomen wie Überforderung, Spannung, Kollaps oder innerer Leere.


Den Vagusnerv und die Selbstregulation unterstützen


In der Praxis können gezielte Impulse helfen – durch aktive Selbstregulation und durch unterstützende Berührung.


In der Bodymind-Arbeit nutzen wir ein wissenschaftlich orientiertes Protokoll zur Aktivierung des Vagusnervs. Dazu gehören unter anderem:


  • Atemtechniken

  • Summen

  • Gurgeln

  • einfache, erlernbare Formen der Selbstmassage


Besonders wirkungsvoll ist die Arbeit am Fuß: die Fußsohlen als Tor zur Regulation, über die achtsame Berührung, Druckpunktarbeit und Reflexzonenmassage tiefe vagale Entspannung und Erdung ermöglichen.


Dabei geht es nicht um bloße Entspannung, sondern um die Fähigkeit, Energie im Körper zu halten, ohne sie abzuspalten oder zu überfluten.


Ausbildung zur Fußreflexzonen- und Vagusnerv-Massage


In der gemeinsamen Arbeit mit Klient:innen und in der Ausbildung zur Fußreflexzonen- und Vagusnerv-Massage vermitteln wir genau diese Zusammenhänge. Wir unterstützen auch Kolleg:innen, die vorwiegend kognitiv arbeiten, dabei, ihren Patient:innen und Klient:innen auf körperlicher Ebene zu begegnen.


Die Inhalte verbinden anatomisches Wissen über das Nervensystem mit praktischen Methoden aus Berührung, Atmung und Bewegung.


Neben der spezifischen vagalen Massagearbeit vermitteln wir auch Konzepte wie Joint Release und somatische Übungen, die Erdung und Selbstregulation erfahrbar machen.


Regulation ist mehr als eine Technik


Im Zentrum steht das Verstehen und Erleben von Regulation – nicht als Technik, sondern als Haltung. Eine Haltung, die Präsenz fördert, Sicherheit vermittelt und Beziehung vertieft.


Psychosomatische Energiekompetenz bedeutet letztlich, im eigenen Körper zu Hause zu sein, mit der inneren Bewegung in Kontakt zu bleiben und über den Vagusnerv einen Zugang zu finden zu einem tiefen Gefühl von Ruhe, Lebendigkeit und Verbindung.


Diese Fähigkeit ist erlernbar – durch Erfahrung, durch achtsame Beziehung und durch einen Körper, der wieder Vertrauen findet in sich selbst.


Und sie ist nicht nur hilfreich, sondern grundlegend – in jeder körperlichen, psychosomatischen oder psychotherapeutischen Begleitung.


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